September 2013 in Torgau

Und hier beginnt die nähere Begegnungsgeschichte mit Deggendorf …:

1.

Zuerst sind wir uns als Pfarrer, die mit Spätaussiedlern arbeiten, auf einem Russischkurs im Bayerischen Pastoralkolleg begegnet. Dort erzählte Pfr. Rösch vom Projekt der Aussiedler-seelsorge „Russlandsdeutsches Haus“, in Deggendorf. Dort entwickelte sich die einheimische evangelische Gemeinde zur Minderheit, da sie immer mehr Russlanddeutsche aufnahm. Vielleicht fühlten sich die Einheimischen so wie Russlanddeutsche in der Gesamtgesellschaft, wenngleich die Gemeinde durch sie, mit ihnen gewachsen ist.

Vom Russlandsdeutschen Haus wusste ich durch das Mitarbeitertreffen unserer Landeskirche, aber deren Wirkungsgeschichte in Deggendorf beeindruckte.

2.

Dann folgte die praktische Zusammenarbeit am Russlandsdeutschen Haus auf den Deutschen Evangelischen Kirchentagen (DEKT) in München, Dresden, Hamburg, Stuttgart. Hier wird gemeinsam beim Aufbau mit Hand angelegt, ganz praktisch, jeder nach seinen körperlichen Möglichkeiten. Ein eingespieltes Team weiß, wie´s geht und was zu tun ist. Dann gilt es noch einmal, sich zu erinnern oder die Geschichte der Russlanddeutschen einzuprägen, damit wir gute Begleiter und Gesprächspartner der zu erwartenden Besucher des Russlanddeutschen Hauses sind. Unsere Begegnungen am Haus bringen immer Erkenntniszuwachs, Erlebnisgewinn und Beziehungsvertiefung.

Die praktische Zusammenarbeit, der verbale Austausch der Mitarbeiter aus der EKD und das anschließende gemeinsame Abendessen lassen uns einander näher kommen und den Wunsch nach Vertiefung gewachsener Beziehungen entstehen.

3.

Der nächste sächsische Aussiedlertag soll zum ersten Mal gemeinsam von der EVLKS (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens) und EKM (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) vorbereitet werden. Torgau liegt auf sächsischem Territorium. Hier wird für den 14.9.2013 geplant. Jetzt leben hier noch 1000 Russlanddeutsche. Möglicherweise könnte das RDH zum Einsatz kommen. Bei einem spontanen Telefonat zwischen Pfr. Gottfried Rösch und mir kam das ermutigende Angebot: „Wir kommen gerne zum Aussiedlertag nach Torgau, und wenn Ihr uns so freundlich aufnehmt, können wir Euch gerne auch praktisch helfen…“ Das klang wie im Märchen, und war für mich zugleich eine innere Entlastung, wusste ich doch, durch die verlässliche Zusammenarbeit am Russlandsdeutschen Haus: Jetzt kann nichts mehr schief gehen …

Schlussendlich hat die Spätaussiedlergruppe der Kirchengemeinde ein Quartier in einem Bootshaus hergerichtet und die Ankommenden begrüßt. Die Deggendorfer haben mit ihrem Chor in der Aula des Johann Walter Gymnasiums und auf der Bühne an der Marienkirche gesungen, einen Info-Stand begleitet und Workshop und Kinderprogramm vorbereitet. Durch die gemeinsame Auf- und Abbauarbeit kam man sich schnell mit Torgauern näher. Am Ende luden Deggendorfer unsere Torgauer herzlich in Ihre Gemeinde ein.

So ist die entstandene Beziehung gewachsen im Prozess der Begegnung von hauptamtlichen Mitarbeitern der Aussiedlerseelsorge EKD und von aktiven Leitern verschiedener Aussiedlergruppen und engagierten Laien an der Basis, indem sie aufeinander zugingen.

Durch Weiterbildungen, auf denen wir „von-einander-lernten“, über Teilnahme an Kirchen- und Aussiedler-Tagen, durch gemeinsames Tun; und mit der Lust auf eigene gemeinsame Projekte ist die Begegnung intensiver geworden. Ein neuer Aspekt bewirkte neuen Aufschwung und Interesse für die eigene Initiative zur Begegnung: Die Frage nach möglichen Unterschieden und Gemeinsamkeiten beim Einleben (Integration) von Russlanddeutschen in Ost- und West-Deutschland entstand. Beim Besuch in Deggendorf erweitere sich dann der Personenkreis: Hinzu kamen Einheimische beider Gemeinden. Sie erzählten von ihren Ost-West-Erfahrungen. Da kam Bewegung und frischer Wind auf … Zunächst begrüßte uns Pfr. Hans Greulich ausführlich und freundlich, und Pfr. Gottfried Rösch organisierte und begleitete uns durch die Tage der Begegnung und selbstverständlich der Verein Mostik.

AUTOR: Christine Rothe