Impulse für Magdeburg

Deggendorf. Dieser Name ist in unserem Gedächtnis mit dem Chor verbunden, der so eindrucksvoll das Lied „Pilger“ bei unserem ersten Treffen beim Aussiedlertag 2013 in Torgau gesungen hatte. Russlanddeutsche kann man auch als Pilger bezeichnen, wenn man die Geschichte dieser deutschen Minderheit und ihr schweres Schicksal betrachtet. Nämlich, Russlanddeutsche mit ihrem tragischen Schicksal setzen viel Gefühl in die Worte dieses Liedes ein, und dieses Lied kann meiner Meinung nach zu Recht eine Visitenkarte des Chores aus Deggendorf sein.

Unsere Gruppe aus Magdeburg war etwas bunt gemischt, als wir im Mai 2013 nach Deggendorf kamen. Die Magdeburger Gruppe bestand aus engagierten Mitglieder_innen zweier Vereine, aus der Ortsgruppe der Ottostadt Magdeburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. und der multinationalen Sozial-Kulturellen Vereinigung „Meridian“ e.V.. Unter uns gab es nicht nur Russlanddeutsche, sondern Vertreter_innen anderer Nationalitäten oder anderer Glaubensbekenntnisse. Neben der Pflege der deutschen Kultur und der Pflege der Identität engagieren wir uns in beiden Vereinen nach dem Motto: „Förderung der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, unterschiedlicher Muttersprache, unterschiedlicher Glaubensbekenntnisse und Herkunftsländer“.

Die Idee der Begegnung in Deggendorf, unterschiedliche Gruppen der Bevölkerung, d.h. Russlanddeutsche und ihre Angehörige einerseits und Vertreter_innen der Aufnahmegesellschaft andererseits zusammen zu bringen, war unserer Meinung nach völlig realisiert. Miteinander: Solches Gefühl hatte wohl jeder von uns. Wir waren einerseits wegen unserer Abstammung bzw. unserer Mentalität, wegen der politischen Systeme, in denen wir aufgewachsen sind, wegen unseres Wohnsitzes in Deutschland, so unterschiedlich, und andererseits so ähnlich.

Gottesdienst, kirchlicher Gesang und die Lieder, die uns in unserem Leben begleiten, waren etwas Neues und Lebendiges für uns.

Drei Gruppen aus drei unterschiedlichen Bundesländern waren ein starker Impuls für den erfolgreichen gegenseitigen Dialog. Und noch ein Faktor spielte eine entscheidende Rolle bei der Begegnung: Wir waren generationsübergreifend.

Die Idee, unseren Dialog in Zukunft fortzusetzen, war schon teilweise in der Benennung des Aussiedlertags 2014 in Glauchau vorprogrammiert: „Lebendige Brücken“. In der Tat sind wir schon Brücken, die man zwischen Deutschland und Russland, zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland, zwischen Russlanddeutschen und Aufnahmegesellschaft, zwischen jüngeren und älteren Generationen auslegte.

Zum Schluss möchte ich die Worte von Alexander Gorodnitsky, Dichter aus Russland, zitieren:

„Verwandtschaft nach Worten hält den Dialog am Leben,

Verwandtschaft nach Blut bewirkt Blutvergießen.“

AUTOR: Elena Klein